Partnerschaft mit Iwanowo

Georgijewskoje: Mönche, Rehabilitanden und Gäste, darunter Rolf Ebritsch und Louise Hölsken 2010

Partnerschaft des Stadtkirchenverbandes Hannover und

der russischen orthodoxen Eparchie Iwanowo

(Stand 01.08.2011)

Im Winter 1990/91 schloss die Stadt Hannover einen Freundschaftsvertrag mit der Stadt Iwanowo. Der Stadtkirchenverband schloss sich den Kontakten an und begründete einen regen Austausch mit der orthodoxen Eparchie (Bistum) Iwanowo.
Unsere Erfahrung ist: Die Menschen in Russland sind Westkontakten gegenüber aufgeschlossen; das gilt auch für eine Reihe von Geistlichen. Sie brauchen nach der langen Isolierung in der Sowjetzeit die Begegnung mit den anderen europäischen Ländern und öfter auch unsere Hilfsbereitschaft.


Iwanowo (40 000 Einwohner) ist das alte russische Textilzentrum 330 km nordöstlich von Moskau. Seit der Einführung der freien Marktwirtschaft im Jahr 1990 leidet es immer noch unter recht hoher Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung.

Unser Diakonisches Engagement

Georgijewskoje im Winter Kirchentor und Kirche
Kleines orthodoxes Model für Drogensüchtige

Seit einigen Jahren bemühen wir uns darum, unsere Partner bei ihrem Kampf gegen Drogensucht und Aids zu unterstützen. Aids breitet sich – besonders infolge des üblichen Spritzentauschs - in Osteuropa rasant aus. Betroffen sind vor allem – anders als im Westen – junge Menschen unter 30 Jahren. Staat und Kirche hatten die Probleme und Gefahren, die durch Seuchen drohen, lange ignoriert. Jetzt ist das aber nicht mehr länger möglich. In dieser Lage braucht Russland den Rat und die Unterstützung des Westens, der mit diesen Seuchen schon seit langen Jahren Erfahrungen gesammelt hat. Iwanowo gehört zu den russischen Gebieten, die unter Drogensucht (synthetische D.) besonders leiden.

das von uns gesponserte Wohnhaus mit Abt Mefodij vor der Einweihung im Oktober 2008
In Hannover gibt es eine vorbildliche Antidrogenarbeit. Deshalb haben wir in den letzten Jahren mit Hilfe der Stadt Hannover für vier Ärzte aus der staatlichen Drogenklinik Iwanowo einen einwöchigen Besuch bei den Einrichtungen für Drogensüchtige vermittelt. Die Rehaeinrichtung in Iwanowo haben wir finanziell unterstützt. An erster Stelle steht aber heute die Vermittlung von Fachkenntnissen.

Seit 1987 betreuen vier in der Drogenarbeit erfahrene Mönche in dem Dorf Georgijewskoje (Gebiet Iwanowo) junge Drogensüchtige (etwa die Hälfte ist auch aidskrank). Die jungen Patienten werden nach einer auswärtigen Entziehungskur in Georgijewskoje durch regelmäßige körperliche Arbeit und seelsorgerliche Begleitung stabilisiert und auf ein Leben ohne Drogen vorbereitet. Nach rund einem Jahr werden sie entlassen, wobei eine Nachbetreuung sichergestellt ist. Bei unseren Besuchen konnten wir erleben, dass zwischen den Mönchen und den Rehabilitanten ein förderliches menschliches Klima herrscht.Georgijewskoje ist ein Beispiel dafür, dass noch etwas von der früheren christlichen Wohltätigkeit und Menschlichkeit Russlands weiterlebt. Zu unserer Frage, ob diese jahrelange Arbeit mit rückfallgefährdeten Suchtkranken nicht aufreibend sei, antwortete der Leiter Mefodij: „ Wir tun, was wir können, das übrige hängt von Gottes Hilfe ab“.

Gespräche mit Patienten über Gott und die Welt
In Georgijewskoje lebten die Patienten bisher ebenso wie die Mönche in sechs alten Holzhäuschen; sie stehen bei einer Kirche oberhalb der Wolga. Zwei dieser Holzhäuschen waren baufällig – eines davon diente früher einmal als Sauna für das benachbarte Dorf. Mit Hilfe des Diakonischen Werkes und der Landeskirche förderten wir den Bau eines Blockhauses mit vier Plätzen, das die beiden baufälligen Häuser ersetzt hat. In dem Haus ist auch ein Besuchszimmer für die Angehörigen der jungen Patienten vorgesehen. Denn diese Kontakte sind für die Stabilisierung der Drogenkranken ganz wichtig. Die Gesamtkosten des Projektes betrugen 44.000 € , wovon von unsere deutschen kirchlichen Partner und unser Stadtkirchenverband zusammen 25.000 € getragen haben. Außerdem hat der Stadtkirchenverband der Mönchsgemeinschaft Mittel für den Ausbau ihrer Obst- und ihrer Gemüsegärten gegeben. Eine gute biologische Kost ist für die ehemaligen Drogensüchtigen wichtig.
Unsere Zuschüsse sind in Georgijewskoje gut angelegt, denn die Mittel der russichen orthodoxen Kirche sind knapp; sie braucht ihr Geld bis heute noch in großem Umfang für den Wiederaufbau ihrer von den Sowjets zerstörten Kirchen.
Das Moskauer Patriarchat hat Abt Mefodij, wegen seines Engagements für die Drogenarbeit beauftragt, ein Konzept für die kirchliche Drogentherapiearbeit zu entwerfen. Dieses Konzept liegt seit einem Jahr vor. Ende Oktober dieses Jahrers wird Vater Mefodij mit zwei kirchlichen Drogenexperten nach Hannover kommen und bei dem "Neuen Land" hospitieren. Dieses leistet seit vierzig Jahren in der Drogenarbeit Vorbildliches.

Weitere Projekte

Der Leiter der Mönchsgemeinschaft Mefodij - sein Hobby: die Obstbäume
Im Jahr 2001 haben wir den Bau eines Werkstattgebäudes mit einer Näherei, einer Tischlerei und einer Schlosserei an einer Internatssonderschule im Gebiet Iwanowo für Sprachbehinderte gefördert. Das geschah auf Anregung der Eparchie Iwanowo und mit Unterstützung der hannoverschen Landeskirche und des Diakonischen Werks. In diesen Werkstätten werden Kinder auf den Einstieg in das Berufsleben vorbereitet. Seit einigen Jahren haben wir auch einen Priester unterstützt, der Gefangene in einem großen Gefängnis betreut hat.

Seit einigen Jahren unterstützen wir auch einen Priester, der Gefangene in einem großen, völlig überfüllten Gefängnis betreut. Wir haben ihm jährlich 500 – 800 € gegeben, damit er einzelnen Gefangenen Medikamente, Brillen, Körperpflegemittel geben oder ihnen nach der Entlassung aus dem Gefängnis weiterhelfen konnte, indem er ihnen z.B. Geld für die Heimreise gibt. Der Bedarf ist groß.

Georgijewskoje Abtransport von Baumaterial
Glaubensgespräche

Seit 1997 haben wir regelmäßig Gespräche über Glaubensfragen geführt, bisher über: Ehe, Kommunitäten, das Verhältnis von Staat und Kirche, Verfolgung der Kirche durch den totalitären Staat in der Sowjetunion und in Deutschland. Diese Gespräche haben sehr zum gegenseitigen Verständnis beigetragen. Dabei ist uns auch deutlich geworden, dass die Orthodoxen eine starke Beziehung zur spirituellen Wirklichkeit haben. Und so sehr ein Mensch auch versagt, bleibt er nach orthodoxer Überzeugung doch ein Abbild Gottes. Diese Glaubensvorstellung kann auch für manchen bei uns hilfreicher sein als unsere starke Trennung der Welt in zwei Reiche, eine äußerliche weltliche und eine innerliche göttliche Sphäre. Im Herbst 2004 waren hier 13 Studenten aus dem Priesterseminar Iwanowo zu Gast beim Stadtkirchenverband und vier Gemeinden. Zur Wiederholung eines solchen Besuches der beide Seiten einander näher gebracht hat und erfrischend war ist es bisher leider nicht gekommen. Der neue Bischof von Iwanowo mißtraut den westlichen Kirchen insoweit noch.

Rolf Ebritsch und Eckhard Klügel in Iwanowo

Ansprechpartner: Eckhard Klügel (Tel. & Fax 0511-6497920), Heiner Koch (Tel. 0511-1241-474, Fax 1241-974)
Spendenkonto des Stadtkirchenverbandes Nr.6114 bei der Ev. Kreditgenossenschaft, BLZ 250 607 01
Stichwort "Iwanowo 7910"



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